Der Mensch im Fokus

Aktualisiert: Jan 24

Ein Porträt über den Fotografen André Herger

von Rahel Lüönd, freie Journalistin:


«Fotos beginnen mit Gefühlen, und optimalerweise enden sie mit Gefühlen» André Herger

Vor dem Fotografen sind alle Menschen gleich. Unsicherheit liegt in der Luft, Nervosität nistet sich in der Bauchgegend ein. Sätze wie «ich bin gar nicht fotogen!» und «mein Lächeln sitzt schief», hört André Herger oft. Und genau hier beginnt seine Arbeit als Fotograf.

«Denn gute Fotos entstehen dort, wo sich Menschen wohlfühlen.»

Wenn André die Technik aufstellt und Lichtverhältnisse kontrolliert, sich um Blende und Verschlusszeiten kümmert, gehört das zum professionellen Fotografieren dazu. Dieser Teil ist das Handwerk, das er im Schlaf beherrscht. Die Menschen aber, die lassen sich nicht mit Schalter und Tasten einstellen. «Jedem Menschen tun Lob, aufrichtiges Interesse und Herzlichkeit gut.» Durch diese Arbeit mit Menschen hat er in den letzten zwanzig Jahren nicht nur seine Fotografie perfektioniert, sondern auch sich selbst besser kennengelernt.

«Der wichtigste Denkprozess eines Fotografen ist, dass er auf seine Reaktion auf ein Motiv achtet. Fotos beginnen mit Gefühlen, und optimalerweise enden sie mit Gefühlen, wenn diese auf dem Bild sichtbar werden.»

Wer mit André spricht, spürt diesen Eifer, dem Wesentlichen auf den Grund zu gehen, ganz deutlich. Er ist redselig und leidenschaftlich, aber nicht hektisch. Dieselbe Sprache spricht sein Studio: Es erzählt von industriellem Charme, an den Wänden hängen einfache Ausdrucke. Wieder sind es die Menschen und ihre Gefühle, die sich im Vordergrund bewegen. Hochglanzdrucke in goldenen Rahmen sucht man vergeblich. Dafür ein altes Selbstporträt im dichten Wald, wo hinten, verschwindend klein zwischen den mächtigen Baumstämmen, der Mensch steht.

«In einer Befragung unter seinen Kunden wurde André Herger als reflektierter, zugänglicher und integrer Partner beschrieben.»Rahel Lüönd 

Ein langjähriger Werbekunde drückt es so aus: «André sind seine Kunden, aber auch die fotografierten Personen, sehr wichtig. Er interessiert sich für sie und ihr Leben. Meiner Erfahrung nach ist das für ihn wichtig, um eine gute Arbeit machen zu können, und es entspricht wohl auch seinem Naturell. Er ist ein Typ, der die Menschen gerne hat. Nachteil ist, dass er sich manchmal etwas darin verliert und nicht 100 % auf den Job fokussiert. Auf den Punkt gebracht: Bei anderen Fotografen hat man nach einer Stunde 40 gute Bilder. Bei André hat man nach zwei oder drei Stunden Arbeit ein fantastisches Bild.»